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„Ich beherrsche die deutsche Sprache, aber sie gehorcht nicht immer.“ 

Alfred Polgar

Viele Menschen glauben den Worten des österreichischen Journalisten Alfred Polgar. Die Beherrschung der deutschen Sprache scheint manchen Menschen in die Wiege gelegt zu sein, andere tun sich schwer. Einige können sich gewandt und ideenreich ausdrücken, schreiben seitenlang praktisch fehlerfrei, sind kreativ und lieben es, sich beim Lesen literarischer Texte in andere Welten entführen zu lassen. Anderen läuft ein Schauer über den Rücken, wenn sie nur einen Stift in die Hand nehmen sollen, denn schon in der Grundschule hat sich gezeigt, dass Rechtschreibung nicht ihre Stärke ist und irgendwie fügen sich ihre Sätze nie wirklich fugenlos zusammen. Stehen sie vor der Aufgabe, ein Buch zu lesen, möchten sie am liebsten flüchten, denn es stellt für sie tatsächlich eine Aufgabe dar, weniger Entspannung und Spaß. Manche können eben Deutsch, andere nicht. Da kann man nichts machen. Schon gar nicht die Schule.

Wer so denkt, der sitzt einem Irrtum auf, der fatale Folgen haben kann. Die Fähigkeit der Beherrschung der deutschen Sprache ist nicht nur für den schulischen Unterricht in allen Fächern  von besonderer Wichtigkeit, sondern auch für den weiteren Lebensweg unabdingbar.

Dem Fach Deutsch kommen hier vielfältige Ziele zu: Wir beschäftigen uns im Deutschunterricht nicht nur mit der deutschen Sprache, Literatur und Kultur, sondern wir trainieren auch grundlegende Kenntnisse und Fähigkeiten in den Bereichen „Sprechen“, „Schreiben“, „Sprachbetrachtung“ sowie „Mediennutzung“. Unsere Schülerinnen und Schüler sollen in der Lage sein, selbst zu erzählen, Inhalte zusammenzufassen, ihre Meinung zu begründen, Texte zu analysieren, selbstreflexiv und kritisch zu sein und selbst schöpferisch tätig zu werden. Deutsch ist somit das Leitfach schlechthin für den schulischen Unterricht.

All diese Kompetenzen sind den Kindern selbstverständlich nicht natürlich in die Wiege gelegt worden, und niemand wird behaupten wollen, dass das Erlernen dieser Schlüsselkompetenzen einfach wäre. Diese Fortschritte geschehen langsam und werden in einem lang andauernden, teils mühsamen, teils unmerklichen Prozess erworben.

Wir als Fachschaft Deutsch an der Gesamtschule Mücke erhoffen uns also, mit den Schülerinnen und Schülern gemeinsam diesen langen und beschwerlichen Weg zu gehen, aber wir legen großen Wert darauf, dass dies schülerorientiert und abwechslungsreich geschieht. Deshalb gehören Theater- und Hörspielproduktionen ebenso selbstverständlich zum Unterricht wie Zeitungsprojekte oder die Einbeziehung außerschulischer Lernorte sowie Teilnahme an Wettbewerben. Auch weitergehende Fördermaßnahmen wie spezieller Förderunterricht in der Förderstufe, LRS-Förderkurse oder DaZ-Unterricht dürfen hier nicht fehlen.

Dabei behalten wir natürlich die Ziele des Deutschunterrichts im Auge: Vor allem ermöglicht er durch die intensive Beschäftigung mit Sprache und Literatur kommunikative Kompetenz, kulturelle und ästhetische Bildung sowie Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Er strebt die Erweiterung, Differenzierung und Vertiefung des Vermögens an, die deutsche Sprache in mündlicher und schriftlicher Form als Mittel der Darstellung und Verständigung sowie als Medium und Gegenstand des Denkens und der Erkenntnis zu begreifen und zu gebrauchen. Er verhilft den Schülern dazu, mit Informationen umzugehen, Phantasie auszubilden und Probleme kreativ zu lösen. Damit schafft der Deutschunterricht wesentliche Voraussetzungen für den Unterricht und den Lernerfolg in allen Fächern und Jahrgangsstufen. Auf Grund der intensiven Beschäftigung mit der deutschen Sprache und der Auseinandersetzung mit wertbezogenen Fragen von Individuum, Gesellschaft und Welt in literarischen und nicht-literarischen Texten bestimmt das Fach Deutsch die Persönlichkeitsbildung wesentlich mit, fördert vernetztes Denken und erfüllt vielfältige fächerübergreifende und integrative Funktionen. Neben der Sprachkompetenz sind Haltungen wie Selbstreflexion, Aufgeschlossenheit für Literatur, kulturelle Identität, Verständnis und Verantwortungsbereitschaft für Mensch und Welt Leitziele des Faches.

Und damit lässt sich mit einem erneuten, wichtigen Zitat schließen – diesmal von dem Philosophen Ludwig Wittgenstein:

„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“